Gibsons Wunderkammer

Gibsons Helden wohnen nicht in irgendeinem x-beliebigen Hotelkomplex in London, sie residieren in einem Clubhotel. Nein – kein Clubhotel, wie es der Normalsterbliche aus langweiligen Urlauben auf Mittelmeerinseln kennt, sondern ein Hotel, in dem nur Leute absteigen, die Mitglieder eines erlesenen Personenkreises sind.

Inchmales Club ist das „Cabinet“ und dies macht seinem Namen alle Ehre. Die Innenausstattung gleicht einem Kuriostitätenkabinett. Allerlei ausgestopftes Getier schmückt die Zimmerwände und bietet das ein oder andere Mal auch die passende Sitzgelegenheit. William Gibson spielt mit der Verwunderung des Betrachters und versetzt sein Personal in Erstaunen. Vor allem aber macht seine Beschreibung des „Cabinet“ Lust, selbst einmal dort die chinesische Tapete genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer sich ebenfalls ein Bild machen möchte, sollte sich die Website des „private member clubs“ Home House nicht entgehen lassen.

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Kultband gesucht – The Curfew

„The Curfew“, die Kultband der frühen 90er- William Gibson entwirft ein Bandportrait, bei dem man sich ständig fragt, an wen erinnert mich das?

Die punkige, alternative Rockband „The Curfew“ – also zu deutsch in etwa „Die Sperrstunde“ – , die sich aus den „kreativen Pseudonymen“ Reg Inchmale, Hollis Henry und Heidi Hyde rekrutiert, hat es in Gibsons Trilogie zu wahrer Berühmtheit geschafft. Nun ja – eigentlich ist da nur noch der Glanz vergangener Jahre. Aus der weltbekannten Sängerin Hollis Henry, welcher auf dem Höhepunkt des Banderfolges sogar die Ehre zuteil wurde, von Anton Corbiijn abgelichtet zu werden- dem Anton Corbijn– ist eine alternde Rocksängerin geworden, deren Antlitz nun „antike“ Poster schmückt. Heidi Hyde versucht sich an den Mann zu bringen und Reg Inchmale feiert sich wohl vor allem selbst als Produzent.

„The Curfew“ hat ihren Betrieb eingestellt, geblieben scheint nur der Kater der „wilden“ Jahre. Das ist vielen Kultbands so ergangen, und eifrig rätselt die Gibson-Fan-Gemeinde, wer hier als Vorbild auf der Bühne gestanden hat. Eine Vermutung, es könne sich zum Beispiel um The Reivers handeln oder wo möglich gar um Joy Division mit weiblicher Besetzung und in die 90er gebeamt.

William Gibson verrät nicht, an wen er gedacht hat – wahrscheinlich inspirierte ihn einfach seine Plattensammlung. Man munkelt allerdings schon, dass darin Joy Division mehrfach vertreten sei. Eine heiße Spur?

Auf der dunklen Seite

Alles ganz schön zwielichtig in William Gibsons Systemneustart und vielleicht würde sich so mancher Leser wünschen, ein Reboot könnte etwas mehr Helligkeit hinter Plot und Personal werfen. Aber überall wimmelt es nur so von Verschwörungstheorien und dunklen Gestalten, die sich nicht wirklich offenbaren möchten. Und letztlich wartet hinter jeder Ecke das mögliche Big-End oder vielmehr der Bigend, ein wahrer Antiheld, bei dem nie geklärt scheint, auf welcher Seite er eigentlich steht. Alles schwebt irgendwo zwischen Recht und Unrecht und mit Hubertus Bigend zeigt sich ein Charakter, den man auch in einem Mafia-Thriller antreffen könnte.
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