Gibson und das Militär

Eine ehemalige Sängerin einer Rockband und ein Ex-Junkie begeben sich auf die Suche nach der Geheimmarke Gabriel Hounds, hinter der sich mehr verbirgt als zuvor angenommen wurde. Immer wieder wird dabei das Militär und dessen Einflüsse in das Blickfeld des Lesers gerückt. So ist nicht nur die männliche Straßenkleidung vom Militär bzw. dessen Design geprägt, sondern auch einzelne Charaktere, die in ihrer Vergangenheit eine Verbindung zum Wehrdienst aufweisen. Diese zunächst unauffällig wirkende Thematik zieht sich scheinbar wie ein roter Faden durch den gesamten Roman Gibsons. Angefangen bei Hosen, bei der die Annahme besteht, dass diese zu militärischen Zwecken hergestellt wurden, bishin zu vereinzelten Kleidungsstücken wie die Jacke im Military Look oder Heidis Armee-BH, wodurch die charakterlichen Eigenschaften dieser, im Buch sehr temperamentvollen und angriffslustigen Frau, noch weiter herausstechen. Auch die laubgrüne Hose Milgrims und Hollis Verfolger stellt ein solches Erkennungsmerkmal dar, welches in diesem Fall negativ konnotiert ist. Auffällig ist hierbei auch stets die detailreiche Beschreibung einzelner soldatischer Merkmale durch Gibson, wie die Tarnfarben und das Muster, wodurch diese zunächst unauffälligen Anspielungen auf das Militär deutlich hervortreten.
Bei den Charakteren wird der Kontakt zum Militär deutlich am Beispiel des „Alten“, Garreths Produzent und Regisseur hervorgehoben, welcher früher beim Geheimdienst war und dessen Erfahrungen und Kontakte sich noch als hilfreich herausstellen werden. Ein anderer Fall ist es jedoch bei Michael Preston Gracie, der die Rolle des Gegners Bigends annimmt und dessen militärische Laufbahn sehr negativ bewertet wird. Ein Major außer Dienst, Waffenhändler und Ausbilder von Polizeieinheiten, der dafür sorgt, dass seine Ausrüstung bei seinen Freunden gekauft wird. Weiterhin versucht er selbst in das Geschäft einzutreten und scheut auch nicht vor der Entführung eines für Bigend wichtigen Angestellten zurück. Die Rolle des typischen „Bösewichts“ ist hiermit also geschaffen. Ist es möglich, dass William Gibson bewusst die Rolle und die Einflüsse des Militärs auf Charaktere negativ darstellt? Schon allein in seiner Biografie wird deutlich, dass der Autor dem Wehrdienst skeptisch gegenüberstand, weshalb er 1967 Amerika verließ, um sich diesem zu entziehen. Ist sein Werk also ein Versuch indirekt Kritik auszuüben? Ich halte dieses für sehr wahrscheinlich, zumal die Wahl des Konkurrenten darauf hindeutet. Die Verfolgungsjagd – ob zu Fuß oder im Auto – sowie eine Entführung und die „Katastrophe“ bei der Übergabe, in der Michael Gracie Preston bewaffnet mit einem Gewehr im Gebüsch lauert, könnte unscheinbare Kritik sein oder etwa doch ein einfacher Versuch, einen Spannungsbogen zu schlagen?

Ein Autor wie William Gibson, der sich schon in jungen Jahren mit der Frage „Militärdienst  – ja oder nein“ beschäftigt- und sich eindeutig dagegen entschieden hat, wird sich in seinen Werken durchaus Gedanken über die Wirkung seiner (in diesem Fall militärischer) Bezüge gemacht  haben. So sieht er diese Laufbahn als etwas Negatives an, dass sowohl das Leben eines Menschen, als auch den Menschen selbst stark beeinflusst. Und nicht nur das, auch die Verbindung zum Military-Kleidungsstil scheint eine Art Dämon in den Charakteren zu entfachen, wie es anhand Heidis Beispiel deutlich wird. Es sei denn man sieht es als „normal“ an, dass junge Frauen blindlings Dartpfeile auf Personen feuern, kombiniert mit Flüchen und anderen temperamentvollen Aussetzern.

K.H.

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One Response to Gibson und das Militär

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